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21.01.2006 – 30.04.2006 | Historisches Museum Frankfurt Francofortesi heute – Frankfurter oggi
Das Abkommen vom 20. Dezember 1955 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Italien war hierzulande der Auftakt für die systematische Anwerbung von Arbeitsmigranten nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung Francofortesi oggi gedenkt dieses Anfangs – der für Frankfurt eigentlich nur die Fortsetzung einer schon Jahrhunderte vorher einsetzenden Ansiedlung italienischer Familien in Frankfurt bedeutete: denken wir nur an die Brentanos und Bolongaros.
Die Zahlen waren jetzt freilich höher. In den fünfzig Jahren seit 1955 / 1956 kamen vier Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter aus Italien nach Westdeutschland, nach Frankfurt davon einige Zehntausend. Die Dynamik dieser Bewegung lässt sich daran ablesen, dass heute noch circa 600.000 Italiener in Deutschland leben: Nur zwanzig Prozent der Immigranten sind geblieben, während achtzig Prozent zurück migriert sind.
Viele von den Da-bleibern aus Italien behielten und behalten die italienische Staatsbürgerschaft. Eine Minderheit ist deutscher Staatsbürger geworden, und sie ist oft genug nur am Namen zu erkennen, wie die Hugenotten. Die Italiener gelten wegen ihrer weitgehend gelungenen Integration als Erste-Klasse-Ausländer, auch wegen der vielen Selbstständigen, die nach dem Anwerbestopp von 1973 in der Gastronomie und anderen Bereichen erfolgreiche (Familien-)Unternehmen gründeten.
Andere Länder folgten: Entsendeabkommen gab es nach 1955 auch mit Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien, Jugoslawien, Südkorea. Im Ergebnis sind bis zum Anwerbestopp etwa vierzehn Millionen Arbeitsmigranten in die Bundesrepublik gekommen, von denen elf Millionen wieder zurückgingen.
Unsere Ausstellung steht im Kontext der Dauerausstellung im Historischen Museum: Von Fremden zu Frankfurtern. Diese Präsentation von 2004 ist einer Besonderheit der Frankfurter Stadtgeschichte gewidmet: der seit dem Mittelalter nachweisbaren, markanten und einflussreichen Einwanderung Ortsund Landesfremder, ohne die Frankfurt nicht zu einer Metropole europäischen Zuschnitts geworden wäre, einem Zentrum für Handel, Banken, Kunst und Literatur, Forschung und Intelligenz. Und der Raum dieser Ausstellung verfügt seit dem Herbst 2005 über eine Galerie, in der Sonderausstellungen gezeigt werden können, die einzelne Aspekte der Migrationsgeschichte beleuchten.
Ich habe deshalb gerne die Initiative von Marina Demaria und Paola Fabbri Lipsch vom Coordinamento Donne Italiane di Francoforte aufgegriffen, eine Ausstellung anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums der staatlichen Anwerbung zu organisieren. Mit drei so professionell arbeitenden Partnern wie Frau Demaria, Frau Fabbri Lipsch sowie dem Fotografen Gunter Klötzer war die Zusammenarbeit nicht nur ein Vergnügen, sondern auch ein Gewinn – mit bleibenden Folgen: Wir können unsere junge Migrations-Sammlung nun um zwölf Porträts und Interviews bereichern.
Die Realisierung dieses Projekts war nur möglich dank großzügiger Unterstützung durch die Frankfurter Niederlassung des Monte dei Paschi di Siena, durch das italienische Generalkonsulat in Frankfurt am Main und sein Istituto Italiano di Cultura, durch Herrn Pasquale Settembre von Vesta-Immobilien, sowie durch das Amt für multikulturelle Angelegenheiten und das Dezernat für Kultur und Freizeit der Stadt Frankfurt am Main. Ich danke allen Förderern ganz herzlich für ihr Engagement! Und dem Museum der Weltkulturen gilt unser Dank für die gute, fortgesetzte Kooperation.
Dr. Jan Gerchow Direktor des Historischen Museums
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