|
05.05.2008 | Stern Nach Deutschland zieht mich nichts mehr, eher nach Hawaii.
Von Michael Streck
Es waren Tage wie diese, wenn das Heimweh kam. Draußen fror es, und wenn es friert, platzten bei uns gern die Wasserrohre. Worauf man den örtlichen Klempner von Bruni & Campisi verständigte und gesagt bekam: „In sechs Tagen hätten wir abends um neun noch was frei.“ Sechs Tage Warten sind ganz normal in Amerika, weil überall die Rohre platzen, und Bruni & Campisi flicken, flicken, flicken.
Wir sind nicht allein.
Nach sechs Tagen klingelte es abends um neun, und draußen stand Sal, ein hünenhafter Angestellter von Bruni & Campisi. Die Frau des Hauses zeigte Sal das Leck unter der Spüle und erklärte ihm, dass das Wasserrohr allerdings draußen verlaufe. Sie stellte Sal auch die Sinnfrage: „Warum verlaufen Wasserrohre in Amerika eigentlich draußen an den Häuserwänden?“, und Sal antwortete entwaffnend ehrlich: „Wie sollen wir sonst drankommen, wenn sie platzen?“ Die Frau erklärte ihm daraufhin überaus behutsam, dass Wasserrohre vermutlich gar nicht erst platzen würden, wenn sie drinnen … aber in diesem Moment schrie Sal auch schon. Wir dachten, sein Blinddarm sei durchgebrochen, mindestens. Aber Sal deutete auf die Spüle und stotterte „da, da, da“, doch „da, da, da“ war nichts außer einer winzigen Spinne. Sal, stellte sich heraus, litt unter einer Spinnenphobie und bedeutete uns, dass er nicht der Richtige sei für diese Art von Reparatur wegen der Spinne in der Spüle. Dann verließ Sal das Haus.
Das waren die Tage, da wir uns nach Deutschland sehnten…
Der Fotograf Gunter Klötzer hat mehrere Jahre an dem Projekt gearbeitet, das hier komplett zu sehen ist. Eine Ausstellung im stadthaus Ulm zeigt vom 25. Juli bis 21. september 62 seiner Porträts. Sein Buch „Germans – Deutsche in Amerika“ erscheint in der Arnoldschen Verlagsanstalt, 256 Seiten, 39,80 Euro.
|