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September 2008 | U_mag 09/08
Land des Lächelns

Von Falk Schreiber


Nur selten verrät eine Fotoserie schon im Titel alles. Gunter Klötzers Serie heißt „Deutsche in Amerika“. Und sie zeigt: deutsche Auswanderer in den USA. Die streng komponierten Fotos kombiniert Klötzer mit kurzen Fragebögen; die meisten Porträtierten sagen, dass sie die deutsche Verlässlichkeit vermissen, aber die US-amerikanische Offenheit schätzen, außerdem haben sie Schwierigkeiten mit der Politik George W. Bushs. Das ist alles.

Ist das alles? „Mir ging es darum,Vergleiche zwischen denUSA und Deutschland zu haben,um in die aktuelle gesellschaftliche Diskussion einzusteigen“, meint Klötzer.„Es gibt heutzutage Prozesse in Deutschland, wo man gucken könnte: Mensch, müssen wir wirklich alles so machen wie in den Staaten?“ Ein Anknüpfungspunkt: Immer wieder betonen die Porträtierten – auch wenn sie begeisterte Amerikaner sind – den Wert der bundesdeutschen Sozialsysteme. Und beobachten erschrocken, dass hierzulande die Hochschulausbildung nach US-Vorbild umstrukturiert wird, dass sich der Staat aus der Gesundheitsversorgung zurückzieht. Bei solchen Prozessen sind die Porträtierten Spezialisten, weil sie beide Systeme kennen; sie sind erst als Erwachsene emigriert.

Für Gunter Klötzer funktioniert die Fotoserie vorrangig in Kombination mit den Fragebögen. Dabei Übersieht er allerdings, dass viele Fotos für sich stehen, in ihrer Strenge, ihrer durchdachten Komposition. Wie er die Politkünstlerin Josephine Meckseper (S. 67) in herausfordernder Pose vor ein abstraktes Gemälde stellt, aus dem trotzig eine Deutschlandfahne vorlugt – das hat eine ironische Qualität, wie sie kein Fragebogen transportieren kann. Der amerikabegeisterte Autodesigner Harald Belker (S. 68) thront breitbeinig in einer stylishen Wohnung, die Künstlerin Claudia Sisti (S. 70) sitzt in einer chaotischen Kleinküche, Posen, die mehr über die Porträtierten aussagen als die Selbstdarstellungen im Interview. Bildredakteurin Barbara Bylek (S. 66) schließlich platziert der Fotograf auf einem New Yorker Hausdach. Merkt man ihrem sehnsüchtigen Blick an, dass Bylek nach 14 Jahren USA nach Deutschland zurückgekehrt ist und New York jetzt schon vermisst? Wahrscheinlich. Braucht man die Bestätigung im Interview? Nicht unbedingt.

Manchmal haben Klötzers Bilder den Beigeschmack von Erfolgsgeschichten: Er zeigt ausschließlich Deutsche, die die Emigration irgendwie hinbekommen, lächelnde Siegertypen in arrivierter Umgebung. Eine Fehlinterpretation. „Es ging mir nicht darum zu fragen: Na, Leute, habt ihr es schon geschafft?“, sagt der Fotograf. „Ich habe nicht explizit nach der Verwirklichung des amerikanischen Traums gesucht. Natürlich hat mich die Motivation fürs Weggehen interessiert, aber mehr unter dem Aspekt: Was war denn eigentlich in Deutschland los?“ So stellen die Fotos einen Link zur Biografie des Künstlers her: Der 39-Jährige stammt aus Naumburg, er ist ein DDR-Kind. Erst nach der Wende konnte er sein Herkunftsland hinter sich lassen, und dieses Hinter-sich-Lassen reizt ihn an den Emigranten: „Warum verlassen Leute ihren Herkunftsort, warum gehen sie weg? Wie verändern sich Familienstrukturen, wie verändert sich die Wahrnehmung des Ursprungslandes, wie leben sich die Leute ein in der neu gewählten Umgebung? Diese Prozesse, die ich innerhalb Deutschlands mitgemacht habe, haben mich interessiert.“

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