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17.02.2010 | Westfalenspiegel
Neue Heimat – Auswandererporträts im Bielefelder Museum Huelsmann
Von Regina Doblies
Der Automechaniker und Fußballschiedsrichter Heinz Wolmerath aus Singen am Hohentwiel lebt seit 1969 im kalifornischen Long Beach. Bis heute hat er seine deutsche Staatsbürgerschaft behalten. "Meine Herkunft ist mir sehr wichtig", sagt er. Die Dessous-Designerin Heidi Lehmann aus dem süddeutschen Engen ist vor sechs Jahren nach Los Angeles gekommen, um den amerikanischen BH-Markt zu revolutionieren. An der USGesellschaft schätzt sie vor allem das "positive thinking". Fritz Weinschenk, der 1935 vor den Nazis aus seiner Heimatstadt Mainz über den großen Teich floh, beantwortet die Frage, ob er sich noch als Deutscher fühlt, eindeutig: "Nein. Ich bin Weltbürger."
Wolmerath, Lehmann und der Jurist Weinschenk sind drei von mehr als 120 in den USA lebenden Deutschen, die der Fotograf Gunter Klötzer porträtiert hat. Eine Auswahl seiner Bilder zeigt das Bielefelder Museum Huelsmann bis zum 21. März in der Ausstellung "Germane – Deutsche in Amerika".
"Jeder, der seine Heimat verlässt, wird früher oder später mit Fragen zur eigenen Identität konfrontiert – so war auch ich auf der Suche nach der meinen", sagt Gunter Klötzer, der in Naumburg an der Saale geboren und aufgewachsen ist, in Bielefeld Bildjournalistik … studiert hat und heute in Berlin lebt. Das Spektrum der von ihm porträtierten deutschen Auswanderer reicht von alt bis jung, von reich bis minderbemittelt, von hoffnungsvoll bis desillusioniert.
"Wir hatten deutsche Erde in kleinen Beuteln im Gepäck", erinnern sich die 90-jährigen Eheleute Hildegard und Fritz von Waldenburg, die bereits 1945 einen Antrag auf Auswanderung gestellt hatten und erst ein Jahrzehnt später ein gu tgehendes Juweliergeschäft in Berlin aufgaben, um sich ihren amerikanischen Traum zu erfüllen. Mit dem Restaurieren von antikem Porzellan kamen sie in den USA zu Wohlstand und leben heute als Selbstversorger mit Ziegen, Hühnern und einem Gemüsegarten in ihrem "Paradies" am Fuße eines Gebirges in East Nassau.
Ganz am Anfang stehen dagegen die Graffiti-Künstler Davide und Raoul Perré. Die Zwillingsbrüder aus Düsseldorf sind im Jahr 2003 nach New York, ins "Mekka des Graffiti und der Hip-Hop-Bewegung" gezogen und sind dabei, sich in der dortigen Szene zu etablieren. "NYC sehe ich als meine momentane Heimat", sagt Davide Perré und gibt zu: "Manchmal bin ich schon sehr angestresst von der ganzen Ellenbogengesellschaft hier und dem extremen Kapitalismus."
18 Fragen zum Thema Heimat, zur Identitätsfindung und zum Zugehörigkeitsgefühl hat Gunter Klötzer den Deutschen in Amerika gestellt; ihre mehr oder weniger ausführlichen Antworten ergänzen und erhellen seine Fotografien. Vom Würstchenverkäufer bis zum Zeitungsverleger, von der Schauspielerin bis zur Tierärztin hat er die Menschen zumeist in ihrem persönlichen Umfeld aufgenommen. Seine Bilder wirken klassisch und modern zugleich, erscheinen auf den ersten Blick spontan, sind jedoch bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Und sie sind nicht zuletzt Selbstinszenierungen der Emigranten. "Die Deutschen in den USA sind stolz auf ihren Erfolg", hat Gunter Klötzer festgestellt: "Sie vermarkten sich offensiver und selbstbewusster als hierzulande."
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